Donnerstag, 15. August 2013
Keine Aktien sind auch keine Lösung
Teil 1

Du lenkst und entscheidest

Du hast in der Schule gut in Mathe aufgepasst – insbesondere bei Prozentrechnung und Geometrie, und … Du hast mindestens 2.000 Euro unter dem Kopfkissen. Na also, dann hast Du schon die wichtigsten Vorraussetzungen, um aus Deinem Geld in absehbarer Zeit merklich mehr Geld zu machen. Wir müssen uns sicher nicht darüber unterhalten, dass klassische Zinserträge derzeit (und wohl in weiterer Zukunft) nichts abwerfen; aber, auch wenn es irgendwann wieder Zinsen in Richtung 4 oder 5 Prozent geben wird, kostet das einen mittelmäßig erfolgreichen Börsianer nur ein müdes Lächeln. Bei nicht wenigen Aktien sind Erträge von 4 bis 5 Prozent ein Tageslohn. Aber wollen wir es nicht gleich übertreiben, natürlich sind Investoren mit derartigen Gewinnen voll auf Zack und den ganzen Tag mit der Börse beschäftigt.
Dieses Buch soll insbesondere wirtschaftlich denkende Menschen ansprechen, die einem „normalen“ bzw. einem normal bezahlten Beruf nachgehen. Wärst Du nämlich Managerin oder Manager mit einem Jahresgehalt von 100.000 Euro oder mehr, würden Dich die 100, 200 oder 300 Euro Aktiengewinn im Monat wahrscheinlich nicht besonders beflügeln. In diesem Zusammenhang weiß ich aus erster Hand, dass 150 Euro Aktiengewinn im Monatsdurchschnitt, bei einem Kapitaleinsatz von 2000 Euro, gut drin sind. Natürlich funktioniert das nicht ohne Weiteres: Zwar muss man kein Finanzexperte mit einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium sein, aber um gewisse Finanz-Grundkenntnisse kommt man natürlich nicht ganz herum; zudem kann es nicht schaden, wenn man die Tabellenkalkulation (z.B. Excel) und Grafikanwendungen am Computer beherrscht (ist aber keine strenge Bedingung).
Also, Du hast mindestens 2000 Euro übrig, kannst rechnen und Linien zeichnen. Du verfügst über einen PC mit Internetanschluss und Du weißt, dass die Börse kein Geldbehälter aus Leder ist. Ach so, ein wenig Zeit solltest Du natürlich auch mitbringen – sagen wir, so 2 bis 3 Stunden Zeit in der Woche solltest Du schon investieren.



Keine Aktien sind auch keine Lösung. Warum Aktien?

Nun, ein wichtiges Argument hast Du ja eben gelesen, aber natürlich gibt es viele weitere Argumente, die für Aktien sprechen. Aktien sind Sachwerte, und Sachwerte sind immun gegenüber Inflation. Das heißt konkret, wenn eine Aktie heute so viel wert ist wie ein bestimmtes Fernsehgerät, dann ist sie in 10 Jahren immer noch so viel wert wie dieser Fernseher. Wenn dagegen ein Fernseher heute z.B. 200 Euro kostet, dann wird er in 10 Jahren etwa 350 Euro kosten; wenn Du also die heutigen 200 Euro in bar zehn Jahre lang unters Kopfkissen legst, dann wirst Du Dir diesen bestimmten Fernseher „nicht mehr leisten“ können, Du zahlst dann also drauf.
Längerfristig steigen Aktien immer. Und warum? Erstens, weil alle wollen, dass sie steigen, und zweitens, weil alle in unserem Wirtschaftssystem Innovation und Wachstum wollen. Aktien sind längerfristig zumindest Kapital erhaltend. Wenn Du Dir z.B. in 2007 blöderweise beim Höchststand Aktien, sagen wir für 5000 Euro angeschafft hast, dann hattest Du zwar in 2008 und 2009 wenig Freude damit, aber Du hättest heute in 2013 wenigstens Dein volles Kapital wieder zurück. Im Gegensatz dazu wären Deine 5000 Euro unter dem Kopfkissen durch Inflation bis heute auf ca. 4600 Euro geschrumpft. Mit Aktien hast Du die Chance, Dein Geld merklich – wenn Du es richtig anstellst - sogar unglaublich zu vermehren. Es kommt zwar nicht so häufig vor (etwa alle 5 bis 7 Jahre gibt es so eine Chance), aber in 2004/2005 sind mit der „Solarworld-Aktie“ einige Aktienanleger ziemlich reich geworden. Diese Aktie hat von 2004 bis Ende 2005 tatsächlich um 3.900%!! zugelegt. Wer da also 10000 Euro übrig hatte und anlegte, konnte nach zwei Jahren (inkl. Bankkosten und Steuern) über 285000 Euro sein Eigen nennen. Wie gesagt, ist dieser Glücksfall eher selten, aber wir müssen gar nicht so weit in der Zeit zurückgehen; wer z.B. Anfang 2009 den richtigen Riecher hatte, der konnte seine Anlagesumme von 10000 Euro mit der Volkswagen-Aktie schon Ende 2009 immerhin mehr als verdoppeln.
Nun aber genug geschwelgt; natürlich gibt es beim Aktienhandel stets auch Risiken und Hürden. Deshalb sollte man immer nur Geld in Aktien anlegen, das man nicht (zu einem gewissen Zeitpunkt) dringend benötigt. Wenn Du z.B. im Januar 4000 Euro in Aktien anlegst mit der Maßgabe, Dir dann im Juli einen schönen Batzen Urlaubsgeld zu erwirtschaften – VERGISS ES!! Hier erinnere ich nur an „Murphy`s Gesetz“ (Es kommt erstens anders und zweitens, als man denkt).
Eine häufige Aussage von Zinssparern und Lebensversicherten ist, dass sie sich mit Aktien nicht auskennen, somit rauben sie sich schon im Vorfeld selbst die Chance, wenigstens die Inflationsrate auszugleichen oder überhaupt mit ihrem Geld einen lohnenden Ertrag zu erwirtschaften. Bei einer Aktienanlage ist jedenfalls eines sicher: Das, was man als Zinsen beim Tagesgeld, für Festgeld oder anderen Sparplänen erhält, übertrumpft man locker sogar mit komplettem Unwissen und mit einer schlechten Aktie. Die Aktienanlage ist recht flexibel; im Gegensatz zu festverzinslichen Anlagen und Lebensversicherungen ist man nicht an strenge Haltefristen gebunden. Egal, wie der Aktienkurs steht, man kommt binnen eines Tages stets an sein Geld.



Die Vorbereitung

Als Einsteiger solltest Du nach monatlichen Zyklen und Phasen traden.
Du bist berufstätig, also kommt das sogenannte „Daytrading“ für Dich nicht in Frage, denn dabei müsstest Du den ganzen Tag an der Börse aktiv sein und das ganze in Minutenschritten beobachten. Deshalb ist für Dich das Traden an der Börse in gewissen Monatszyklen und Phasen das Richtige. Eine Aktie hat im Kursverlauf stets maximale und minimale Kurshöhen; einfach ausgedrückt ist der Trick dabei, bei minimaler Kurshöhe zu kaufen und bei maximaler Kurshöhe mit Gewinn zu verkaufen. Klingt einfach, aber weit gefehlt: Wann ist eine Aktie tief genug, um sie zu kaufen, und wann ist so sie hoch genug, um Gewinn zu machen? Aktien machen nie das, was Du willst, nein, sie haben eine Eigendynamik. Aber kein Grund zu verzagen: Aktien folgen gewissen Regeln, und diese Regeln werden unter anderem durch die sogenannte Charttechnik widergespiegelt. Warum aber sollte man sich an diese Regeln halten? Antwort: Weil es alle tun, und die Gesamtheit der Anleger bestimmt den Markt und die Gesamtheit bestimmt (indirekt) den Charakter einer Aktie; alle schauen auf den Chart (maßgebliches Koordinatensystem im Aktienhandel)!
Übrigens, für den absoluten Anfänger, der es noch nicht weiß: Kursstand 80 bei einer Aktie heißt 80 in Geld der Landeswährung, bei uns also 80 Euro für 1 Aktie.
In der Regel gibt es bei einer Aktie einige Tiefs und Hochs im Jahr: Die Zeitspannen vom Tief zum Hoch dauern im Idealfall 2 bis 4 Wochen und können schon mal eine Kurssteigerung von über 10% erreichen. Wenn Du weiter liest, wirst Du hier erfahren, wie man diese Handelsspanne vom Tief zum Hoch relativ genau erwischen kann. Aber zuvor solltest Du Dich Schritt für Schritt gut auf Deine Aufgabe vorbereiten: Hierzu zählen insbesondere die Wahl der richtigen Bank bzw. des richtigen Brokers, das Hinzuziehen von Börsenforen und das Verfolgen von Börsenberichten im TV – am besten bei den einschlägigen reinen Nachrichtensendern.



Die gängigsten Börsenbegriffe

Wie wohl auch in Deinem Beruf gibt es an der Börse natürlich gewisse Fachbegriffe. Um Dich an der Börse gut zurechtzufinden, und um Missverständnisse zu vermeiden, sind die wichtigsten Grundbegriffe (alphabetisch geordnet) nachfolgend erklärt:
Bluechip: Großer Konzern (AG) mit hohem (Bilanz-)Wert und hoher Gewichtung in einem Aktienindex (z.B. im DAX – Deutsche Bank, Allianz, Siemens etc.)
Chart: Grafische Darstellung eines Kursverlaufs nach Koordinaten
Crash: Schneller, anhaltender und starker Fall einer Aktie oder der gesamten Börse.
Dow Jones: Größter und wichtigster US-amerikanischer Aktienindex
Emission: Aktienausgabe einer börsennotierten Aktiengesellschaft (Emittent) zu einem bestimmten Kurs
Bären: Börsenpessimisten
Bollinger-Band: Darstellung der möglichen Spannbreite eines Aktienkurses in- bzw. zu einem gewissen Zeitraum- bzw. Zeitpunkt
Bullen: Börsenoptimisten
Buy: Kaufempfehlung
Candlesticks: Darstellung eines Kurses im Chart durch rote oder grüne, vertikale Balken (Kerzen) mit Strichfortsätzen an ihren Enden (Dochte): Rot bedeutet fallender Kurs, grün bedeutet steigender Kurs.
Dividende: Gewinnprämie pro Stück Aktie für den Aktionär. Die Höhe der Dividende wird bei einer Aktionärs-Vollversammlung festgelegt; diese Vollversammlung findet meistens im Frühjahr statt und bezieht sich auf das vergangene Geschäftsjahr.
EBIT (bei Aktien): „Earnings Before Interest and Taxes“ – ist der Brutto-Gewinn (Gewinn vor Kosten, Zinsen und Steuern) pro Aktie in einem bestimmten Zeitraum
Gewinnwarnung: Veröffentlichung eines (Aktien-)Unternehmens, dass, unter Nennung der Gründe, der Unternehmensgewinn in einem zukünftigen Zeitraum sinken wird
Hold: Empfehlung zum Halten einer Aktie
Konsolidierung: „Kleiner Crash“ – merkliches Sinken eines Kurses nach Erreichen des absoluten Hochs, ohne aber den Kurstrend zu verlassen
Long (gehen): Auf steigende Kurse setzen, spekulieren
Overweight: Empfehlung zum Übergewichten (höhere Stückzahl und höherer Kapitaleinsatz) einer Aktie (im Depot)
Quartalsbericht (Berichtssaison): Wichtige Veröffentlichung des Quartalsergebnisses (Umsatz, Gewinn und Zukunftsprognose) eines Unternehmens. Die sogenannte Berichtssaison startet meistens zwei Wochen nach Ablauf eines Kalenderquartals.
Sell: Empfehlung zum Verkaufen (Abstoßen) einer Aktie
Short (gehen): Auf fallende Kurse setzen, spekulieren. Das Short-Gehen ist im Prinzip eine Art „Wette“ auf fallende Kurse, zu einem bestimmten Stichtag. Diese „Wette“ geht man in der Regel mit einer Finanzinstitution (Bank, Broker etc.) ein.
Smallcap: Kleineres Aktienunternehmen mit geringem bis mittlerem (Bilanz-)Wert und geringer Gewichtung in einem Aktienindex
Stop (-Loss): Vorfestgelegte Order an die Anlage-Bank oder an den Broker, bei einem bestimmten Tiefkurs die Aktie zu verkaufen, um weitere Kursverluste zu vermeiden
Trendkanal: Wichtige, linear-geometrische Darstellung eines Kursverlaufes in einem Linienkanal innerhalb eines bestimmten Zeitraums
Underweight: Empfehlung zum Untergewichten einer Aktie (im Depot)
Volatilität: Kursdifferenzen zwischen Hochs und Tiefs einer Aktie. Eine Aktie ist dann sehr volatil, wenn sie große Schwankungen innerhalb kurzer Zeiträume aufweist.

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